Bei einer ganz kurzen Stippvisite in Frankfurt hatten wir gestern mal wieder das Thema „Arbeitsrecht“ im Meeting.

Als Niederlassungsleiter stehe ich immer auf zwei Seiten. Auf der einen Seite bin ich Arbeitgeber, in Vertretung für unser Unternehmen, und auf der anderen Seite bin ich auch „nur“ ein Arbeitnehmer.

Um so schwerer ist es, wenn man es tatsächlich mit „Stinkstiefel“ zu tun hat. Auch das gilt im übrigen für beide Seiten. Ich finde es gut, wenn sich Arbeitnehmer darüber informieren, welche Rechte sie haben. Das Internet hilft dabei bestimmt auch immer mehr. www.google.de spuckt über 1.8 Mio. Ergebnisse bei entsprechender Anfrage aus.

Nur was, das gilt auch für beide Seiten, manche Leute sich da raus suchen, lässt einen die Haare sträuben. Jeder kennt seine Rechte, nur die Pflichten bleiben auf der Strecke. Dazu habe ich derzeit zwei tolle Beispiele.

1. Eine Mitarbeiterin arbeitet im Schnitt ca. 4-6 Wochen am Stück. Danach ist sie dann ca. 1-3 Wochen krank, dazwischen Urlaub und dann fängt das Spiel von vorne an. Was man alles machen muss, um als Arbeitgeber einen Arbeitnehmer nahe zu bringen, das es so nicht laufen kann, lohnt in keiner Weise den betriebswirtschaftlichen Aufwand. Eine Kündigung ist dabei mehr als schwierig und die Arbeitnehmerin dazu noch uneinsichtig. Zu wessen Lasten? Zu Lasten von Kollegen die permanent einspringen müssen, zu Lasten der Qualität beim Kunden, zu Lasten des Arbeitgebers und zu Lasten der Allgemeinheit.

2. Ein Mitarbeiter ist unzuverlässig und macht seine Arbeit so schlecht, das der Kunde kurz vor Vertragsverlängerung den Auftrag kündigt. Mitarbeiter an die Luft setzen ist nicht ganz so einfach. Da muss eine Sozialauswahl getroffen werden und wohlmöglich noch eine Abfindung bezahlt werden. Und der Arbeitnehmer? Der versteht das alles nicht, er hat schließlich das Recht zu arbeiten.

Als Arbeitgeber hat man dann vielleicht noch versäumt schriftlich abzumahnen und schon hat man ganz schlechte Karten. Klasse!

Ich bin mit Sicherheit kein Gegner des Kündigungsschutzgesetzes, nur was dadurch zum Teil bei den Unternehmen und Arbeitsgerichten abgeht, ist mehr als heftig.

Klar, es gibt auch bei den Arbeitgebern genug schwarze Schafe. Allerdings, was manche Leute für einen Stress machen, weil sie ihre Pflichten nicht akzeptieren wollen, dass ist mehr als zweifelhaft.

Persönlich bezeichne ich mich im übrigen als fairer „Arbeitgeber“. (Behauptet wahrscheinlich jeder von sich.) Das ich dabei genau die selben Probleme habe, wie weniger fairer Arbeitgeber ist wiederum erschreckend. Was aus meiner Sicht aber nur daran liegt, das die meisten Menschen ihre Rechte kennen und ihre Pflichten nicht wahrhaben wollen.