Ein runder Geburtstag ist wie ein Gipfelkreuz. Man hält inne, blickt zurück auf den Weg, den man mühsam oder leichtfüßig erklettert hat, und schaut gleichzeitig nach vorn auf das nächste Tal oder auch Berg. Vor zehn Jahren, zu meinem 50. Geburtstag, habe ich meine Geschichte in fünf Episoden im Weblog festgehalten.
Heute, im Jahr 2026, ist es Zeit, diese Geschichte weiterzuschreiben. Es ist wieder viel passiert und ich habe das eine oder andere erleben dürfen.
Ganz ehrlich: Ich hatte keine Ahnung, was die letzten zehn Jahre mit sich bringen würden. Man denkt, mit 50 hat man schon vieles gesehen. Und dann kommen doch wieder Abschiede, Neuanfänge und die Erkenntnis: Man bleibt nie stehen.
Rückblick: Die ersten 50 Jahre (1966 – 2016)
Mein Leben begann an einem Freitagabend im April 1966 in Celle. Es war der Start in ein Leben, das sehr vielfältig war. Aber welches Leben ist das nicht? Die Kindheit war geprägt von Herausforderungen – ein unbekannter Vater, ein Umzug nach Rüsselsheim, die Suche nach Identität, die Angst vor einem gewalttätigen Stiefvater und Sorge um die eigene Mutter und Geschwister.
Als Matthias Brand geboren, wurde ich vor der Einschulung 1973 zu Matthias Stawinski – ein Name, der heute fest mit meinem Leben und meiner digitalen Welt verknüpft ist.
Die Schule war nur ein Ort, an dem ich „nicht zu Hause“ sein musste. Doch aus diese frühen Jahren wuchs eine Stärke: der Wunsch nach Unabhängigkeit. In meinen 30ern und 40ern entdeckte ich das Internet als mein Experimentierfeld. 1999 ging stawi.net online, später folgten Fanseiten für Mike Oldfield und die Dokumentation meiner Swatch-Leidenschaft. Mein 50. Geburtstag im Jahr 2016 war ein Meilenstein der Selbstreflexion – ein Jahr voller Emotionen, in dem ich Frieden mit meiner Vergangenheit schloss und stolz auf das Erreichte blickte.
Einer der bedeutendsten Meilensteine in diesen ersten fünfzig Jahren war übrigens meine Verpartnerung mit meinem Mann Sascha. Ohne ihn hätte vieles sicher ganz anders ausgesehen.
Das sechste Jahrzehnt: Abschiede, Reisen und Bilder (2016 – 2026)
2016: Zwischen Abenteuer und Klinik
Das Jahr, in dem ich 50 wurde, war geprägt von Abenteuer und Krankheit. Eine seltsame Mischung, die mich jedoch auf den Boden der Tatsachen holte. Die Stationen waren recht vielfältig: Hongkong, Brüssel, Frankfurt, Paris, Hamburg, Weil am Rhein, Mönchengladbach, Norwegen, Spitzbergen, Island, Faröer, Tilburg, Köln und ein Aufenthalt in der Uniklinik Heidelberg.
Fazit des Jahres 2016? Ich rauche seit dem 20.08.2016 nicht mehr.
Aber seht selbst: Das war mein 2016
2017: Kontraste und die Kamera
Langweilig kann jeder, nicht bei mir, 2017 war auch nicht ruhiger.
Unsere Stationen: London, Mailand, Bad Homburg, Frankfurt, zur Geierlay und nach Kastellaun. Dazu noch bisschen Genf, Rotterdam, Den Haag, Amsterdam, Sommerparty auf unserm Hof mit Live-Musik, Coburg, Barcelona, Island und zum Schluss Moskau.
Das war schon alles ein starker Kontrast: Die Urgewalt von Island und die Architektur von Rotterdam, Barcelona oder Moskau. Ein fester Anker war dabei die Fotografie, unter anderem auch mit mg-anders-sehen, mit denen wir schon seit Jahren (2014) gemeinsam unterwegs waren. Dieser Blick durch die Linse half mir, auch in hektischen Phasen meine kreative Mitte zu behalten.
Hier meine Zusammenfassung: Das war mein Jahr 2017
2018: Ausstellungen und tiefe Einblicke
Ein herrliches Jahr im Rückblick. Meine erste Foto-Ausstellung mit Vernissage und alles, was dazu gehört. Inklusive eigener Webseite dafür: stawi.pictures. Dazu gab es dann gleich noch eine zweite Ausstellung – auch mit Vernissage und abschließender Finissage in unserem Lieblingscafé.
Ein Swatch Event fiel aus und wir buchten spontan Barcelona für eine Woche. Dazu gab es einige Events in Mönchengladbach, bei denen wir auch in die Kulturszene eintauchten.
Durch einen sehr guten Freund, heute ist es mein Bergbaukumpel, durfte ich in 1.200 m Tiefe nach Ibbenbüren einfahren. Ein Bergwerk und dann so tief – das hat mich nachhaltig beeindruckt.
Im Anschluss schaute ich mir die Dörenther Klippen an. Im Sommer die Mondfinsternis. Ende August machten wir dann unseren letzten großen Urlaub mit unserem Schnitzel in der Schweiz. So betrachtet, ein ruhiges Jahr.
2019: Jubiläum und Abschied
2019 war weniger von Reisen geprägt, jedoch von intensiven Erlebnissen.
Was damals ziemlich ernüchternd war: Mein damaliger Arbeitgeber hat mein 25-jähriges Betriebsjubiläum eigentlich völlig übergangen. Ein paar lahme Grüße, fertig – der Montag war einfach nur ein Montag. Da war für mich klar: Mein 30-jähriges feiere ich hier auf keinen Fall mehr.
Ich schenkte mir zum Geburtstag eine Skyline-Fotografie-Tour in Frankfurt. Die machte richtig Spaß und ich schloss neue Bekanntschaften. Im Laufe des Jahres machte ich noch eine Foto-Tour in Köln, dazu wieder einige in Mönchengladbach. Anfang Sommer machten wir unsere dritte Kreuzfahrt mit Stationen in Spanien, Portugal und England. Super entspannt und sehr preiswert.
Im Juli mussten wir Abschied von unserem Schnitzel nehmen. Das hat richtig wehgetan.
Im August gab es zum Glück wieder Grund zur Freude: Wir haben unseren 15. Hochzeitstag und den 20. Jahrestag gefeiert.
Wir trafen unseren Freund Billy The Artist aus New York ein letztes Mal in Murten (CH).
Wir verbrachten ein Wochenende in Prag (CZ). Auf dem Rückweg fuhren wir noch bei meinem Bergbaukumpel vorbei, der gerade seine Platzreife machte. Da war doch was: Die Woche darauf starteten wir unsere Golfkarriere.
Irgendwie dazwischen waren wir in Domburg (NL), Sachsen (D) und Luxemburg bei Freunden.
2020: Albtraum und Baustelle
Das Jahr 2020 fing durchwachsen an. Der Abschied von meinem Schwiegervater Wini und der Start des Corona-Wahnsinns belasteten uns schon recht stark. Wir besuchten im Februar noch einmal die Schweiz, weil wir dem Karnevalstrubel in Deutschland entkommen wollten. Und das war genau richtig.
Dann ging Corona bei uns richtig los. Jeden Morgen wenn ich aufwachte, hoffte ich, der Albtraum ist zu Ende. Das Leben war wie in einem schlechten Film.
Wegen Corona waren sogar Sportarten an der frischen Luft verboten. 2020 war damit das Golfen wieder vorbei. Unsere Platzreife hatten wir noch vor dem letzten Lockdown in 2019 geschafft, aber spielen und üben war nicht drin. Das Jahr sorgte für schlechte Laune und Frust.
Im August, zwischen den Lockdowns, düsten wir nach Prag und besuchten Freunde. Wir machten noch einen Ausflug in die Schweiz sowie nach Rotterdam und das war es dann mit dem Reisen im Jahr 2020.
Während den ganzen Lockdowns hatten wir dann noch eine schöne Beschäftigung für rund 150 Tage: Kernsanierung Dachgeschoss. Wenn man nicht reisen kann, versenkt man halt die Kohle im Haus. Unsere Corona Baustelle.
Hier der gesamte Rückblick 2020.
Aufgeben ist keine Option
2021: Frust und die Uniklinik
Im März 2021 landete ich unerwartet in der Uniklinik Köln. Ich dachte, ich hätte was am Auge. Es war der Sehnerv, der Probleme machte, und der wird auf der Neurologie behandelt.
Aufenthalt in der Uni während dem ganzen Coronadreck – ob das gut geht? War mein zweiter Gedanke. Werde ich wieder klar sehen können, mein Erster. Es ging gut.
Ich wusste nach 48 Stunden, was ich alles nicht habe. Dazu gehörten Multiple Sklerose, Amyotrophe Lateralsklerose, Gehirntumor und ein paar andere Dinge – damit kann man sich ungefähr vorstellen, wie die Untersuchungen verliefen. Zum Genesen bekam ich eine Kortison-Schubtherapie.
Fragt nicht, die ausschleichende Therapie war das Schlimmste. Obwohl nicht geimpft, hatte ich Glück. Ich bekam kein Corona und konnte mich nach einer Woche Uniklinik zu Hause weiter erholen.
Im August hieß es dann für uns ab in die Schweiz und im September ab nach Prag. Oktober noch ein kurzes Treffen in Holland. Immerhin schafften wir es, ein wenig Golf zu spielen.
Hier der ganze Rückblick 2021
2022: Entscheidungen treffen
Januar 2022 erfuhren wir vom Tod unseres Freundes Billy The Artist. Das war für uns noch einmal ein Denkanstoß, nichts auf die lange Bank zu schieben, sondern zu machen.
Mittlerweile dreimal bzw. viermal geimpft, ging es im Mai in den Sommerurlaub: Schweiz, Süd-Tirol, Italien, Schweiz. Wieder zu Hause angekommen, erlebten wir unsere erste Corona-Infektion. Kurz und heftig ohne Spätfolgen. Im August reisten wir wieder nach Tschechien.
Ende 2022 kam dann Schwung in meine Bemühungen, das dreißigjährige Betriebsjubiläum nicht bei meinem alten Arbeitgeber zu feiern. Im Dezember unterschrieb ich einen neuen Arbeitsvertrag und reichte meine Kündigung ein.
Hier der Rückblick Rückblick 2022
2023: Chaos und Umbruch
2023 sollte ein etwas chaotisches Jahr werden. Der Januar begann entspannt für mich. Ich nahm eine Auszeit und war eine Woche in Nordstrand. Im März machte ich Bildungsurlaub und lernte Englisch – und bekam anschließend meine zweite Corona-Infektion.
April noch einmal Schweiz zu Freunden. Am 02.05.2023 startete ich meinen neuen Job.
Dachte an nichts Böses und spielte bei den EUROGAMES 2023 in der Schweiz beim Golfen mit. Nach dem Urlaub war das Verhältnis zu meinem neuen Arbeitgeber schon etwas gestört und ich suchte was Neues. Die Tinte unter meinem neuen Vertrag war noch nicht trocken, da hatte ich schon eine Kündigung nach 213 Tagen im Haus. Rund zwei Tage vor Ablauf der Probezeit einen Arbeitnehmer an die Luft zu setzen, hat schon was spezielles.
12/2023 das erste Mal nach vierzig Berufsjahren in meinem Leben für einen Monat arbeitslos. Okay, das knabberte ein bisschen am Ego. Aber was soll’s. Krone gerichtet, aufgestanden und weiter geht es. Ich genoss es und wir feierten Weihnachten in der Schweiz.
Die Job-Geschichte: 213 Tage Dr. Sasse und der Rückblick 2023
Beruflicher Neustart (2024 – 2026)
Am 01.01.2024 dann mein Neustart. Seit über 40 Jahren bin ich im Gebäudereiniger-Handwerk zu Hause nun stieg ich ins technische Facility Management ein. Auf www.matthias.stawinski.de sieht man meinen beruflichen Lebensweg.
2024 folgte der bewusste Neustart bei der fairconcept Gebäudeservice GmbH. Weg von Titeln, hin zu mehr Zufriedenheit und Führung mit Haltung. Klare Worte und lösungsorientiertes Handeln – das ist mein Standard.
Bevor die Probezeit zu Ende ging, machten wir vier Wochen Urlaub in Canada. Das war dann auch erst mal unser größtes Abenteuer im Jahr 2024.
Dafür gab es ein gewisses Maß an Zufriedenheit und nach dem Urlaub ging es mit vollem Einsatz im Job weiter. In Summe ein aufregendes und spannendes Jahr.
Aber auch ein trauriges Jahr. Zwei liebe Menschen aus unserer Swatch Familie verließen uns. Für manche ist das Leben nicht immer fair.
Hier der Rückblick 2024
2025: Erholung und Fotografie
2025 war mehr ein Jahr der Ausflüge.
Abendessen in Essen, Geburtstag bei meinem Bergbaukumpel in Soest, Mittagessen in Den Haag. Dazwischen: viel Golfspielen. Mal mit Erfolg, mal ohne. Aber immer mit Freude am Spiel. Eine fantastische weiße Gladbach-Nacht mit Hein + Klein, bevor es für eine Woche nach Nordstrand ging.
Wir trafen unseren „Brother from another mother“ in Iserlohn und im Herbst in Prag. In Tschechien lernten wir zwei neue Orte kennen: Marienbad und Karlsbad.
Das war Erholung pur und das Golfspiel kam auch nicht zu kurz. Dazwischen war ich im September drei Tage in Berlin auf der Gebäudereiniger-Messe. Oktober kurz nach Zandvoort und Amsterdam.
Im November zweimal Party mit Hein + Klein. Einmal im Kirchenkonzert und dann bei der zweiten Gladbach-Nacht. Beim Kirchenkonzert hatte ich dann 2025 das erste Mal richtig intensiv und voller Freude wieder fotografiert.
Sportlich war 2025 ein gutes Jahr: Regelmäßig auf dem Golfplatz, regelmäßig im Trainingsstudio, zwischendurch den inneren Schweinehund aufs Fahrrad gesetzt. Nicht immer erfolgreich, aber immer in Bewegung. Das Haus fordert seinen Tribut – Freizeit ist knapper geworden. Aber das gehört dazu.
Weihnachten feierten wir bei Freunden in der Schweiz und Silvester bei den Nachbarn.
Was mich antreibt: Musik und meine Zeit
Was mich antreibt: Musik, Bewegung und meine Zeit Parallel zu all dem brennt mein Herz für Musik. Mike Oldfield ist und bleibt eine Konstante – auf www.hibernaculum.de dokumentiere ich diese Leidenschaft seit Jahren. Alben wie „The Songs Of Distant Earth“ sind der Soundtrack zu all diesen Reisen und Erlebnissen.
Aber ich höre natürlich nicht nur Oldfield. Schiller (Christopher von Deylen) begleitet mich genauso wie Alle Farben, Lost Frequencies oder eben Hein + Klein. Querbeet, je nach Stimmung. Musik ist mein digitaler Rückzugsort.
Die Swatch-Events? Die sind dramatisch auf nahezu null zurückgegangen. Die Zeit der großen Community-Treffen ist vorbei. Die Dokumentation auf swatch.stawi.de bleibt – als Archiv einer Zeit, die war. Was bleibt: Die Fotografie. Auf stawi.pictures und www.stawi.galleryhalte ich Momente fest, bevor sie verfliegen. Und der Sport hält mich in Bewegung – Golf, Trainingsstudio, Fahrrad. Nicht immer konsequent, aber regelmäßig. Das Haus fordert seinen Tribut. Freizeit ist manchmal bisschen knapp. Aber das gehört zum Leben dazu.
2026!
Nun haben wir April 2026 und ich bin schon ganz aufgeregt. Ich werde diesen Monat tatsächlich 60!
Ich blicke auf ein Jahrzehnt zurück, das mir gezeigt hat: Es kommt nicht auf den Titel an, sondern auf das, was man daraus macht. Ich fotografiere, was ich sehe. Ich schreibe, was ich denke. Und ich lebe.
Meinen Geburtstag werde ich nicht zu Hause feiern und in der Woche auch nicht arbeiten. Das ist der Plan. Mehr verrate ich noch nicht – lasst euch überraschen! Ich werde sicherlich irgendwie erreichbar oder zu finden sein.
Jetzt Du!
60 Jahre und kein bisschen leise. Ich habe gelernt, dass Zufriedenheit viel damit zu tun hat, die Dinge beim Namen zu nennen – im Job wie im Privaten. Wie sieht das bei euch aus: Habt ihr im letzten Jahrzehnt auch einen alten Zopf abgeschnitten, um endlich wieder befreit durchatmen zu können? Schreibt es mir in die Kommentare – ich freue mich auf eure Geschichten!


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