Nachgefasst

Am 17.02.2004 habe ich durch einem Artikel im Spiegel das erste Mal etwas über Barbara Clear gelesen.

Ich berichtete darauf hin auf meiner Seite davon, das Barbara Clear die Olympia Halle in München für ein Konzert am 24.04.2004 gebucht hatte.

Nun war es so weit, gestern Abend gab die gebürtige Bad Homburgerin ihr einzigartiges Konzert vor ca. 8.000 Menschen. Auf den ersten Blick ist das vielleicht wenig, allerdings nicht, wenn man die Hintergründe kennt.

 Barbara Clear, ist eine Sängerin ohne Management und Radio-Airplay. Ihre CD´s verkauft sie in Eigenregie auf ihren Konzerten oder über ihre Website. Dennoch füllte sie auf eigene Faust die Münchner Olympiahalle. Das ist nicht nur Anerkennungswert sondern auch eine Ohrfeige für die Musikindustrie, die ja immer mehr über Umsatzrückgänge und Verluste heult.

Die Frau machte sich somit einem Tag nach ihrem vierzigsten Geburtstag ein Geschenk, das seinesgleichen sucht. Okay, diese Aktion wurde lange vorbereitet, nach dem Barbara Clear im Jahre 2001 die Olympia Halle mietete und anfing die Karten für 10,00 € auf ihren Konzerten zu verkaufen. Aber es hat sich gelohnt. Auf dem ersten Blick geht sie aus der ganzen Geschichte ohne größere Verluste raus, wenn man die bekannten Daten mal vergleicht.

Insgesamt sollen ca. 8.000 Menschen dieses Konzert erlebt und gesehen haben. Die Miete der Halle alleine hat 60.000,00 € gekostet. Mit Sicherheit hat Barbara Clear mit der Aktion keine 20.000,00 € verdient, aber sie wird an dieser Veranstaltung nicht pleite gehen.

Wenn ich bedenke das ich gerade am Donnerstag bei „Schiller Leben“ für rund 35,00 € war oder im November bei „Abba Mania“ für 39,00 €, war das Konzert von Barbara Clear ein Schnäppchen.

Die Presse berichtet heute in den Online-Ausgaben recht neutral über dieses Konzert. Überschriften wie „Mammutkonzert in Eigenregie“ oder „No-Name-Sängerin lockt 8000 Fans in Olympiahalle“, erkennen wenigstens ein bisschen ihre Leistungen an.
 

«Diese Halle, das ist der Wahnsinn», rief sie zu Beginn des Konzertes. «Das ist reine Energie, das tut so gut.» Anschließend spielte sie rund drei Stunden lang ihre selbst komponierten Lieder und Coverversionen von Klassikern wie «Stairway to Heaven» von Led Zeppelin. Wie bei den üblicherweise in der Olympiahalle auftretenden Weltstars wurde das Konzert der zierlichen Sängerin auf zwei riesige Video-Leinwände übertragen. Auf der schlicht gestalteten Bühne war allerdings statt einer großen Band nur Clear und ihr halbes Dutzend Gitarren. Zwischendurch gab es von den Besuchern ein spontanes «Happy Birthday»-Ständchen für die Künstlerin, schließlich war Clear am Vortag gerade 40 Jahre alt geworden. So die Meldung der DPA auf allen Seiten.

Alle Artikel findet man am besten in den Google News unter http://news.google.de/

 

Aus meiner Sicht ist die Aktion von Barbara Clear ein Zeichen dafür, das wir als Publikum mündige Menschen sind, den man nicht einfach alles Vorsetzen kann. Dies hätte schließlich die Musikindustrie gerne, wenn man den derzeitigen Castingwahn sich anschaut. Aber das ist ein anderes Thema.

Musik ist etwas was den Menschen entweder gefällt oder nicht. Dafür ist man dann bereit einen gewissen Betrag X zu bezahlen oder auch einige hunderte Kilometer anzureisen. Anders lässt es sich nämlich nicht erklären, das rund 8.000 Menschen diesem Konzert beigewohnt haben. Alles Münchner waren das auf keinem Fall in der Halle.

Hier kann die ganze Musikbranche lernen, auch mal ein Risiko einzugehen um Erfolg zu haben. Mit Sicherheit war das eine einmalige Aktion, die da in der Olympiahalle in München passiert ist, sie sollte auf jedem Fall zum Nachdenken anregen.

Zu dieser kleinen Powerfrau passt für mich die Aussage von James Last in einem Interview vor seinem 75. Geburtstag, bei dem er sagte: „Wenn ich auf die Bühne gehe, will ich ehrlich sein und niemand belügen. Heute ist das alles ein wenig schwierig mit den Plattenfirmen. Künstler sollten einmal im Jahr das Recht haben, eine Show zu machen mit dem Titel „Lasst uns doch!“ Alle Künstler sollten da machen und singen können, was sie wollen. Da würde Ehrlichkeit rüberkommen, denn die meisten sind nur Marionetten ihrer Plattenfirmen.“ 

Das ganze Interview gibt es unter http://www.musikmarkt.de/

Ehrlichkeit täte in dem Sinne unserer Musikindustrie auch mal ganz gut. Namen braucht man dazu ja keinen Nennen, da es alle betrifft.

1 Kommentar
  1. Norbert
    Norbert sagte:

    Nachdem ich Barbara Clear gestern abend das 1.mal
    live in Bremerhaven erlebt habe, ziehe ich den Hut vor dieser Frau, die Inhalte ihrer Songs sollten sich die „Zecken“ in unserem Staat einmal mehr zu Herzen nehmen! 🙄

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