Besichtigung eines Bauernhofes

Bei unserer Suche nach einem neuen Lebensraum haben wir unseren ersten Termin zu einer kompletten Besichtigung eher erfolglos hinter uns gebracht.

Mich persönlich hat diese Besichtigung zum einen erschreckt und zum anderen ein bisschen verärgert. Allerdings haben wir auch eine Menge dazu gelernt.

Die Beschreibung im Exposé ließ von vornherein erahnen, das es eine Menge zu tun geben würde. Nur was uns da angeboten wurde, war mehr als heftig. Das Baujahr 1960 war mehr als schöngeschrieben. Tatsache, das Hauptgebäude ist ca. 250 Jahre alt. Also, so ca. 1750 erbaut. Ins Grundstück hinein ziehen sich dann weitere Bauphasen in Form von Anbauten. So bisschen ein was von 1920 und 1950. Die letzte „Sanierung“ und der Anbau einer Scheune kann man am ehesten dem Jahr 1960 zuordnen. Das war es dann aber auch schon.

In den letzten 20 Jahren gab es den einen oder anderen Versuch zur Renovierung, die aber eher in puren Dilettantismus endeten. Bzw. und das war das Erschreckende, die Versuche endeten bis heute nicht wirklich. Wie die Menschen heute im Haupthaus leben und wohnen, kann man nicht in Worte fassen. Ich habe in meiner Laufbahn als Gebäudereiniger verschiedene „Behausungen“ erlebt, nur so etwas habe ich noch nicht gesehen. Einziger Pluspunkt, den man erwähnen muss, es war für die Verhältnisse noch recht sauber.

Bauschäden über Bauschäden konnte man beim ersten Rundgang finden, ohne intensiv zu suchen. Egal ob durchgefaulte Balken oder brüchige Decken und Wände. Veraltete Ver- und Entsorgungsleitungen oder Heizungsanlage. Alleine um das Wohnhaus in einen bewohnbaren Zustand zu versetzen, würde bedeuten, einmal komplett entkernen und Neuerrichten.

Eine angebotene Ausbaureserve im Dachgeschoss entpuppte sich sehr schnell zu einer Phantasterei. Ausbau des Dachgeschosses hätte bedeutet: Abreißen der gesamten Dacheindeckung, abreißen des kompletten Dachstuhls, Entkernung der Bodenflächen und anschließend ein kompletter Neuaufbau.

Das eine Stallung und Scheune nicht einfach ohne weiteres zutun genutzt werden kann, war uns auch klar. Allerdings ist der Erhaltungsstau so heftig gewesen, das spätestens in 5-10 Jahren nur noch eine Abrissbirne sinnvolle Arbeit erledigen würde. Das dabei ein Eternitdach, mehr als entsorgungsintensiv, mit einer Fläche von rund 350 m² auf der Scheune liegt, sei nur nebenbei erwähnt.

Ein weiteres Highlight war die Remise, Einstellraum für Wagen und Geräte, die man angeblich auch für Partys hätte nutzen können. Egal wie man diese Remise nutzen würde, es wäre Mut erforderlich gewesen. Eine Party mit Grill würde wahrscheinlich für eine schnelle Brandsanierung sorgen. Fahrzeuge eingestellt bei einem heftigen Sturm, würde wohl mehr Schaden als Nutzen bringen.

Das dieses Objekt aus unserem Raster geflogen ist, erklärt sich wahrscheinlich so schon von selbst. Dennoch ein wenig Hintergrundinfos.

Der Kaufpreis, wäre aller höchstenfalls der Grundstückswert gewesen. Das jedoch auch nur mit zweimal Augenzudrücken. Die Sanierung des gesamten Objektes würde ohne feudalen Luxus locker noch einmal das doppelte an Kapital verschlingen. Alleine die Entsorgungskosten für den Abriss und den herumliegenden Materialen, würden einen guten Mittelklassewagen herausspringen lassen.

Einziger Vorteil bei dem Objekt war, man kann sich getrost einen Bausachverständigen sparen, denn versteckte Mängel sind auf dem Hof völlig unbedeutend.
Ich habe mir mal vorgenommen in einem Jahr dort noch mal vorbei zufahren. Mal schauen, ob sich bis dahin etwas getan hat. Daran Glauben tue ich nicht, denn selbst mit einem Lottogewinn kann man gar nicht Jeck genug sein um so eine Hütte zu erwerben.