Urlaubstagebuch 2013 – Nachlese Tag 12

Mittwoch der 29. Mai 2013 geht bei mir ins Geschichtsbuch ein. Zumindest, was das Wetter betrifft. Morgens gegen 6:15 Uhr wurde ich vo n einem mir bekannten Geräusch geweckt. Winterdienstgeräusche vor unserem Appartement. Ich dachte im ersten Moment ich hätte schlecht geträumt. Ein Blick aus dem Fenster bestätigte jedoch, dass ich hellwach war. Geschlossene Schneedecke und gute 5 cm Schnee auf dem Auto. Okay, nun ist die Geschichte mit den Pässen endgültig passé gewesen.

Ich drehte mich um und schlief noch eine Runde. Geweckt wurde ich dann von Sascha, als er aus dem Fenster sah. Gegen 10:00 Uhr machten wir dann eine Hunderunde durch den Schnee. Gut das wir passendes Schuhwerk, Jacken und Kopfbedeckung dabei hatten. Noch besser, wenn man mit einem großen Auto verreist.

Schnitzel hatte bei der Morgendrunde seinen Spaß. Genau die richtige Temperatur für ihn und er flitzte im Schnee bergauf und bergab.


Unser Freund Ivo hatte uns, nicht ganz uneigenützig, über Facebook eine Nachricht geschickt. Wenn das Wetter zu schlecht ist, fahrt doch nach Bex in die Salzmine. Und wenn ihr das macht, bringt doch bitte eine Dose Bio-Kräuter-Salz mit. Okay, muss ein besonderes Salz sein, wenn Ivo das so schreibt.

Beim Aufwärmen mit Kaffee fiel dann auch Schnell die Entscheidung. Wir fahren nach Bex und dort unter Tage. Schnitzel muss sich halt mal eine Weile im Auto gedulden. Bei den Außentemperaturen, keine Sonne zu sehen, da sollte es sorgenfrei machbar sein. Auf nach Bex.

Bex ist eine politische Gemeinde im Distrikt Aigle des Kantons Waadt in der Schweiz. Halt ein Stückchen raus aus dem Wallis. Der ehemalige deutsche Name Beis wird heute nicht mehr verwendet. Ab 1.200m hatten wir nur noch Regen, Regen und nochmal Regen. Bis nach Bex. Als wir an der Salzmine ankamen nieselte es mal einen Augenblick und wir konnten Schnitzel noch mal flitzen lassen.

Das Salzbergwerk Bex befindet sich in der Schweizer Gemeinde Bex und wird von der Saline de Bex SA, früher von der Sociétè vaudois des Mines et salines de Bex, betrieben. Die Schweizer Kantone beziehen im Rahmen des Salzregals ihr Streu- und Speisesalz aus den Vereinigten Schweizerischen Rheinsalinen bei Basel, nur der Kanton Waadt greift auf sein eigenes Steinsalzlager bei Bex zurück.

Nach einer ausgedehnten Runde wollten wir gerade zum Auto zurück, dass wir an einen ruhigen und passenden Platz abgestellt hatten. Wir drei stapfen so durch den Regen, als es auf einmal seltsame Geräusche gibt. Ein rumpeln und vibrieren, das ich schon mal irgendwo gehört hatte. Keine 100 m vor unserer Nase brach Holz. So 2 oder 3 Bäume knickten wie Streichhölzer und vom Hang löste sich eine kleine Sand- und Steinlawine. Schnitzel blieb ruck zuck zwischen uns stehen. Wir schauten alle drei gebannt auf den Erdrutsch mit herunterkommenden Bäumen. Schon war alles vorbei. Kein Staub, durch den Regen und nassen Boden und einfach wieder Ruhe. Ich schaute Sascha an: „Hast Du fotografiert?“ Er so: „Nein. Du?“ Da standen wir drei mit offenen Mund und hatten eine Erdrutsch vor Augen, schon beeindruckend. Nun schauten wir beide in Richtung Auto. Okay, die rund 60m zwischen Erdrutsch und Auto hatten ausgereicht, das nichts passierte.

Bevor wir nun Schnitzel in seine Box packten und den Wagen mit offenen Fenster stehen ließen, parkte ich doch vorsorglich mal um. Wir wollen nach der Minentour schließlich mit unserem Schnitzel und dem Auto weiter unterwegs sein.

Es ging nun zu der Truppe, die als letztes an den Tag geführt werden sollte. Die Englischsprachige Gruppe hatten wir verpasst, nun alles auf Französisch. Gut das es einen Flyer ein Deutsch gab, so mein Gedanke.

Im Erdzeitalter Mesozoikum herrschte in der Gegend von Bex ein warmes Klima und an Stelle des heutigen Rhonetals befand sich in der Trias ein Flachmeer. Das eingedampfte Meersalz wurde später von anderen Meeresablagerungen überdeckt und schließlich in die Alpenfaltung miteinbezogen.

Im Jahre 1680 entdeckte man das Salzvorkommen in Le Bévieux bei Bex und schon vier Jahre später wurden Stollen in den Berg getrieben, um das «weisse Gold» abzubauen. Bis zum 18. Jahrhundert wurde das Salz bergmännisch (trocken) abgebaut. Dies hieß mit Hammer und Meißel. Seit dem 19. Jahrhundert wird der nasse Abbau angewendet, d. h. es wird Wasser in die Lager geleitet, um das Salz darin zu lösen. Die Sole wird darauf hochgepumpt, das Wasser wieder verdampft und das daraus gewonnene Salz gereinigt und aufbereitet. Mittlerweile durchzieht ein rund 50 Kilometer langes Labyrinth von Gängen und Schächten den Berg und die Salzmine fördert ein Volumen von 10’000 Tonnen Salz pro Jahr.

Unser Guide bemerkte uns, das wir deutsch sprachen. Es war so freundlich und fragte uns ob wir Französisch verstehen. Wir verneinten und sagten, dass wir als viel gucken werden. Er sagte kein Problem, die wichtigen Dinge erkläre ich ihnen in Deutsch. Das nenne ich freundlichen Service.

In der Mine angekommen fragte er nochmals nach, ob alle französisch sprechen. Ein paar Niederländer verneinten und fragten, ob er die Tour auch auf Englisch machen könnte. Nun fragte er uns, ob denn Englisch auch okay wer. Dreisprachig wäre für ihn schon etwas anstrengender und würde von der Zeit nicht reichen. Klar Englisch geht auch. Während der Tour trafen wir noch drei Hessen (Deutschland) und immer wenn der Guide bei uns war, erklärte er uns doch alles in Deutsch. Den Niederländern in Englisch und den restlichen alles auf Französisch. Ein super perfekter Service.

Nach einem vier-sprachigen Videovortrag ging es nun erst zu Fuß durch die Mine und dann mit der Bahn während einer acht Minuten fahrt noch mal richtig tief in den Berg hinein.

Unser Guide trennte unsere Gruppen. Wir durften mit den Hessen und Niederländer, Seitengänge der Mine erkunden, während der Guide den anderen auf Französisch den einen oder anderen Vortrag hielt. Das war schon richtig spannend und ein Erlebnis.

Das Salzbergwerk von Bex besteht aus einer Vielzahl von Stollen, Schächten, Treppen und riesigen Hallen, deren Gesamtlänge über 50 Kilometer beträgt. Es erstreckt sich bis unter die Dörfer von Villars, Chesières und Arveyes.

Heute können einige Kilometer dieses immensen unterirdischen Labyrinths besucht werden. Der Rundgang erlaubt dem Besucher die spektakulärsten und typischsten Elemente der seit dem ersten Stollenbau im Jahre 1684 bis heute verwendeten Salzabbau- und Gewinnungsmethoden zu sehen und zu erleben.

Mit unter am spannendsten war die Fahrt mit der Minenbahn. Wir saßen außen im letzten Wagen mit dem Rücken zu Fahrtrichtung. So hatten wir eine fantastische Sicht in die Stollen. Ein grandioses Erlebnis.

Eine kleine Geschichte habe ich mir bemerkt, weil diese mich sehr beeindruckte. Um damals Luft in den Stollen zu befördern, wurden Baumstämme von Hand zu Rohren ausgehöhlt. Mit einem riesigen Blasebalg wurde dann Luft von Hand in die Stollen gepumpt. Insgesamt wurden bis heute, weit über 40 km dieser Rohrleitungen in den Stollen gefunden.

Wir sind auch auf Stufen in den Stollen unterwegs gewesen, wo man tatsächlich erkennen konnte, dass die nicht maschinell aus den Berg gehauen waren. Über hundert Jahre wurde in dem Berg nicht nur das Salz von Hand abgebaut, sondern auch die Stollen in den Berg getrieben. Heute unvorstellbar. Erklärt uns jedoch, warum Salz damals auch weißes Gold genannten wurden. Da nenne ich doch ab sofort dieses Salzbergwerk oder Salzmine, lieber Mines de sel de Bex. Das hört sich einfach bisschen ehrfürchtiger an.

Schon waren auch schon die zwei Stunden Führung und das Durchstreifen der Stollen zu Ende. Wir fuhren wieder ans Tageslicht und wurden auf Grund fehlender Sonne, nur ein wenig geblendet.

Schnitzel schlief tief und fest. Er freute sich natürlich uns wieder zu sehen. Also noch eine Hunderunde in der Nähe von der Mines de sel de Bex.

Als Dank für den tollen Tipp mit Bex, besorgten wir natürlich Salz für unsere Schweizer Freunde. Und da es so lecker war, holten wir auch noch Salz in verschiedenen Variationen für uns und für ein paar gute Freunde in Deutschland.

Unser Tagesausflug endete dann wieder im Schnee in Crans Montana, der nun leicht taute.

Gut das ich immer einen Schneebesen im Auto habe.

Gut das ich immer einen Schneebesen im Auto habe.

Winterlandschaft im Mai.

Winterlandschaft im Mai.

Schnitzel hatte Spaß!

Schnitzel hatte Spaß!

Ankunft in Bex.

Ankunft in Bex.

In der Mitte des Bildes, war ungefähr der Erdrutsch.

In der Mitte des Bildes, war ungefähr der Erdrutsch.

In der Mine.

In der Mine.

Wasserrad.

Wasserrad.

Auf dem letzten Wagen.

Auf dem letzten Wagen.

Schacht.

Stollen / Tunnel.

Da geht es richtig runter.

Da geht es richtig runter.

Unser Erklärbär.

Unser Erklärbär.

Alte Luftpumpe für die Stollenbelüftung.

Alte Luftpumpe für die Stollenbelüftung.

Rohleitungsbau vor langer Zeit.

Rohleitungsbau vor langer Zeit.

Sascha versucht es mal mit Hammer und Meißel.

Sascha versucht es mal mit Hammer und Meißel.

Wieder an der Oberfläche.

Wieder an der Oberfläche.

Vielmehr Bilder gibt es im Fotoalbum.

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